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Die Japanische Teezeremonie: Alles Wichtige auf einen Blick

Jochen Meyer – Apotheker & Mitgründer von VERY MATCHA

Autor: Jochen Meyer, Apotheker & Mitgründer von VERY MATCHA
Zubereitungs-Tipp: Matcha Latte Rezept original japanisch aus Kyoto.

Japanische Frau im Kimono bereitet traditionell Matcha-Tee im Rahmen einer Teezeremonie zu, kniend auf Tatami-Matten mit dampfendem Wassergefäß und Chasen (Bambusbesen) in der Hand.

Die japanische Teezeremonie (jap. Chanoyu 茶の湯) ist eine kunstvolle Praxis der Zubereitung, der Präsentation und des gemeinsamen Genusses von Matcha-Tee, die tief in der japanischen Kultur und Ästhetik verwurzelt ist. Diese Zeremonie ist weit mehr als das einfache Trinken von Tee. Sie verkörpert Philosophie, Ästhetik und eine bestimmte Art der Lebensführung, die auf Schlichtheit, Achtsamkeit und Harmonie basiert.

Detail-Aufnahme: Die japanische Teezeremonie (Chanoyu) ist eine Praxis voller Hingabe für den Moment
Detail-Aufnahme: Die japanische Teezeremonie (jap. Chanoyu) ist eine Praxis voller Hingabe für den Moment. Foto von João Guilhoto

Die Praxis entwickelte sich im 15. und 16. Jahrhundert in Japan und wurde maßgeblich durch den Teemeister Sen no Rikyū beeinflusst, der die Kunst des Wabi-cha etablierte, welche Einfachheit, Natürlichkeit und das Bewusstsein für die Vergänglichkeit des Lebens betont. Die Teezeremonie umfasst nicht nur die Zubereitung von Tee, sondern auch das Arrangieren von Utensilien, die Gestaltung des Teeraums und die Interaktion zwischen Gastgeber und Gästen. Die vier Grundprinzipien der Teezeremonie sind:

  1. Wa (Harmonie): Harmonie zwischen Gastgeber, Gästen und der Umgebung.
  2. Kei (Respekt): Respekt gegenüber allen Teilnehmern und den Gegenständen.
  3. Sei (Reinheit): Physische und geistige Reinheit in der Vorbereitung und Durchführung.
  4. Jaku (Stille): Innerer Frieden und Ruhe, die durch die Zeremonie erreicht werden.

Die Zeremonie folgt festgelegten Bewegungen und Ritualen, vom Anzünden des Kohlenfeuers bis zum Schlagen des Matcha mit einem Bambusbesen (Chasen). Sie ist eine Gelegenheit, den Augenblick voll auszukosten und durch einfache Handlungen innere Ruhe zu finden.

Chanoyu oder Chadō?

Die Begriffe Chadō (茶道) und Cha-no-yu (茶の湯) werden oft synonym verwendet, haben aber unterschiedliche Bedeutungen. Cha-no-yu bedeutet wörtlich „heißes Wasser für Tee“ und bezieht sich auf die Zeremonie selbst. Chadō („der Weg des Tees“) umfasst die spiritische Praxis und Philosophie dahinter. Der Ablauf folgt einem klaren Plan, der den Teilnehmern ermöglicht, innere Ruhe zu erleben und den Geist des Tees zu erfassen.

Typischer Ablauf einer japanischen Teezeremonie

1. Begrüßung und Eintritt ins Teehaus

Die Gäste betreten das Teehaus durch einen niedrigen Eingang (nijiriguchi), der Demut symbolisiert, und reinigen Hände und Mund am Wasserbecken (tsukubai) als Zeichen von Reinheit. Die Begrüßung erfolgt mit einer Verbeugung als Ausdruck von Respekt.

2. Kaiseki-Mahlzeit

Bei einer formellen Zeremonie (chaji) beginnt das Ritual oft mit einem einfachen Kaiseki-Mahl. Die Speisen beruhigen den Magen und stimmen auf die Zeremonie ein. Das Mahl verläuft ruhig und achtsam.

3. Kohlenritual

Nach dem Kaiseki wird das Kohlenbecken vorbereitet, um Wasser zu erhitzen. Der Gastgeber platziert die Kohlen in einem Muster, das die Wärme gleichmäßig verteilt. Der Moment ist meditativ und unterstreicht die Bedeutung der Vorbereitung.

4. Zubereitung und Servieren des dicken Tees (Koicha)

Die Gäste kehren in den Teeraum zurück, wo der Gastgeber den Koicha zubereitet. Der dicke Matcha wird in einer Schale serviert, die nacheinander geteilt wird. Die Schale wird im Uhrzeigersinn gedreht, um die „schöne Seite“ des Chawan zu würdigen.

Der CEREMONY Bio Matcha von VERY MATCHA ist ein Okumidori Matcha von außergewöhnlicher Qualität und eignet sich besonders für die traditionelle Zubereitung als Usucha oder Koicha. Er erfüllt alle Ansprüche an hochwertigen Matcha der japanischen Teezeremonie.

Ceremonial Grade aus Kagoshima

5. Zubereitung und Servieren des dünnen Tees (Usucha)

Nach dem Koicha bereitet der Gastgeber den Usucha zu. Der dünne Tee wird jedem Gast in einer eigenen Schale serviert. Der Matcha wird mit dem Chasen sanft aufgeschlagen, was eine samtige Textur und leuchtendes Grün erzeugt.

6. Gespräch und Abschluss

Zum Abschluss betrachten die Gäste die Utensilien im Ritual Haiken. Fragen zu Herkunft, Symbolik und Design sind üblich. Nach dem Austausch von Dank und einer Verbeugung endet die Zusammenkunft.

Chanoyu to wa, von Elmar Schmeisser

Eine empfehlenswerte Quelle ist der Blog Chanoyu to wa von Elmar Schmeisser, der die Teezeremonie seit 1971 in Japan und den USA studiert und sich auf Schriften aus der Zeit von Sen no Rikyū konzentriert.

Er betont, dass die Sammlung der Hundert Gedichte von Chanoyu (茶の湯百首) oft fälschlich als Hundert Gedichte von Rikyū (利休百首) bezeichnet wird. Tatsächlich stammen sie von Takeno Jōō (武野紹鷗), einem Teemeister und klassisch ausgebildeten Dichter. Einige Varianten wurden später ergänzt, teils von Rikyū selbst, doch die Autorschaft liegt nicht allein bei ihm.

Empfehlenswert ist auch das Buch Rikyu's Hundred Verses in Japanese and English (Amazon Japan).

Buch: バイリンガル利休百首 Rikyu's Hundred Verses in Japanese and English

Glossar: Wichtige Begriffe der Teezeremonie

  • Chanoyu: Die japanische Teezeremonie, wörtlich „heißes Wasser für Tee“.
  • Chawan: Teeschale; Form und Jahreszeit spielen eine Rolle.
  • Chasen: Bambusbesen zum Aufschlagen von Matcha.
  • Chashaku: Bambuslöffel zum Dosieren von Matcha.
  • Natsume: Lackierte Teedose, meist für Usucha.
  • Chaire: Keramisches Teegefäß, meist für Koicha.
  • Mizusashi: Wassergefäß für frisches, kaltes Wasser.
  • Fukusa: Seidentuch zur Reinigung und für respektvolle Handhabung.
  • Hishaku: Bambuskelle zum Schöpfen von heißem Wasser.
  • Kama: Kessel zum Erhitzen des Wassers.
  • Furo: Tragbarer Sommerherd.
  • Tokonoma: Nische für Schriftrolle und Blumenarrangement.
  • Temae: Ausführung des Rituals, die Handgriffe und Abläufe.
  • Usucha: Dünner Tee.
  • Koicha: Dicker Tee.

Die 100 Gedichte von Sen no Rikyū – eine Auswahl

Der Entschluss, diesen Weg zu betreten, ist dein eigener Lehrer.

Der erste Vers betont, dass unsere innere Motivation und der Wunsch, den Pfad zu beschreiten, uns leiten und lehren. Ohne inneren Wunsch kein Fortschritt.

Wahres Lernen kommt von innen. Fortschritt basiert auf Selbstreflexion und Achtsamkeit. Der Antrieb für Wachstum und Erkenntnis muss aus uns selbst kommen, sowohl im Teemeistertum als auch im täglichen Leben.

Lerne, indem Du beobachtest und übst; es ist töricht, ohne Erfahrung über richtig und falsch zu urteilen.

Der zweite Vers betont, wie wichtig es ist, nicht nur zu studieren, sondern durch Beobachtung und Erfahrung zu lernen. Im Chanoyu liegt die Weisheit darin, still zuzuschauen und durch Nachahmung zu lernen. Urteile über Dinge zu fällen, die man selbst noch nicht erlebt oder verstanden hat, wird als unklug betrachtet.

Während der Durchführung des Tee-Rituals solltest Du Dich nicht mit Richtig oder Falsch beschäftigen.

Der dritte Vers betont die volle Konzentration auf den Moment und das Loslassen von Urteilen. Es geht darum, die Dinge so zu akzeptieren, wie sie sind, ohne ständige Selbstkritik oder Perfektionismus.

Lass Deine Scham los und frage andere, um zu lernen.

Der vierte Vers fordert uns dazu auf, unseren Stolz abzulegen und sich nicht durch Scham daran hindern zu lassen, von anderen zu lernen. In der Teezeremonie, wie auch im Leben, ist die Bereitschaft, Fragen zu stellen und Hilfe anzunehmen, der erste Schritt zur wahren Meisterschaft. Indem man sich für das Lernen öffnet, überwindet man die Barrieren des Egos und entwickelt wahre Fähigkeiten.

In Deinem Ritual sollten innere Unsicherheiten abgelegt werden.

Im Chanoyu liegt wahre Stärke darin, innere Unsicherheiten und Zögern abzulegen und mit ruhiger Bestimmtheit zu handeln. Doch diese Stärke ist keine äußerliche Härte oder Dominanz. Stattdessen wird wahre Kraft durch Gelassenheit und Achtsamkeit erreicht, die sich in einer würdevollen und kontrollierten Ausführung widerspiegeln. Es geht darum, Entschlossenheit zu zeigen, ohne grob oder unhöflich zu wirken.

Lege jedes Objekt sanft ab, als würdest Du Dich von einem Geliebten verabschieden.

Der neunte Vers betont die Achtsamkeit und Sorgfalt, mit der jedes Utensil im Chanoyu behandelt werden sollte. Indem man jedes Objekt sanft und bewusst ablegt, wird eine tiefe Wertschätzung für dessen Bedeutung und Vergänglichkeit ausgedrückt.

Wenn Du Dich in Deinem Tee-Ritual nur auf Stärke konzentrierst, wird diese „Stärke“ als Schwäche oder Mangel an Würde erscheinen.

Im Chanoyu ist wahre Stärke nicht mit Härte oder Aggressivität gleichzusetzen. Eine Überbetonung von Macht oder Stärke kann das Ritual und die Atmosphäre negativ beeinflussen, indem sie eine Spannung oder ein Ungleichgewicht erzeugt. Stattdessen bedeutet Stärke im Kontext der Teezeremonie, Kontrolle zu bewahren und gleichzeitig mit Leichtigkeit und Würde zu handeln. Es geht darum, sanft, aber bestimmt zu sein, ohne die Harmonie des Raumes oder der Anwesenden zu stören. Diese innere Ruhe lässt sich auch im Alltag anwenden, wo wahre Stärke oft im Loslassen von Dominanz und der Fähigkeit zur Anpassung liegt.

Schwere Dinge sollten leicht und leichte Dinge schwer behandelt werden.

Ein schwerer Gegenstand sollte so bewegt werden, dass er mühelos erscheint, während ein leichter Gegenstand mit der Sorgfalt und Aufmerksamkeit behandelt wird, die er verdient. Diese Balance verdeutlicht den Sinn für Harmonie im Ritual, wo es nicht nur um die physische, sondern auch um die mentale Kontrolle geht. Alles wird mit der gleichen Würde und Achtung behandelt, was zeigt, dass die Wertschätzung im Detail liegt, unabhängig von der Größe oder dem Gewicht eines Gegenstands.

Nimm jedes Utensil leicht auf, aber setze es fest ab.

Diese Regel verdeutlicht den achtsamen Umgang mit den Teeutensilien. Beim Aufnehmen eines Gegenstands sollte man dies sanft und mühelos tun, fast so, als ob es keine Anstrengung erfordert. Doch beim Ablegen wird der Gegenstand mit Bestimmtheit und Stabilität platziert. Diese Praxis ist ein Ausdruck von Kontrolle und Achtsamkeit.

Bewege beim Aufschlagen des Tees nicht die Finger, sondern den Ellbogen.

In der Teezeremonie ist das Aufschlagen des Tees mit dem Chasen (Bambusbesen) die zentrale Handlung. Der Einsatz des Ellbogens statt der Finger sorgt für eine gleichmäßigere und stabilere Bewegung. Dadurch wird der Tee nicht nur besser aufgeschlagen, sondern die gesamte Haltung des Körpers wirkt ruhiger und kontrollierter.

Bringe keine Blumen, deren Blütezeit bereits vorbei ist.

Im Chanoyu spielt die Auswahl der Blumen eine wichtige Rolle, da sie den Geist des Moments widerspiegeln. Blumen, deren Blüte bereits vergangen ist, symbolisieren das Verpassen des richtigen Augenblicks. In der Teezeremonie sollen frische, blühende Blumen verwendet werden, um die Schönheit des gegenwärtigen Augenblicks zu betonen und dessen Vergänglichkeit zu würdigen.

Wenn unerwartet Gäste eintreffen, bewahre die Sanftheit des Grases im Herzen und übe Zurückhaltung in Deinen Taten.

Dieses Gedicht erinnert daran, dass wir auf unerwartete Ereignisse mit der Sanftheit und Nachgiebigkeit des Grases reagieren sollten. Dies bedeutet, sich in der Begegnung mit anderen nicht durch starre Formalitäten oder Hektik zu versteifen, sondern flexibel und besonnen zu handeln.

Beim Tee machen sollte Dein Fokus auf dem Chasen liegen: Vermeide es, ihn fest gegen den Boden des Chawan zu drücken.

Ein zu starkes Drücken des Chasen gegen den Boden des Chawan (Teeschale) kann nicht nur den Besen selbst, sondern auch die Schale beschädigen. Das leichte, kontrollierte Aufschlagen des Tees steht im Einklang mit der Achtsamkeit und Feinfühligkeit, die im Chanoyu verlangt wird.

Tee sollte gereift und ruhig sein; das Herz warm und großzügig. Nutze die Utensilien, die gerade verfügbar sind.

Dieser Vers verdeutlicht, dass im Chanoyu nicht die äußere Perfektion, sondern die innere Haltung entscheidend ist. Die Teezeremonie sollte von einer ruhigen, reifen Gelassenheit getragen werden. Ein warmes Herz und aufrichtige Gastfreundschaft sind wichtiger als die Verwendung perfekter oder besonders wertvoller Utensilien. Es geht darum, den Geist des Tees in Einfachheit und mit echtem Mitgefühl zu leben.

Betrachte die Lehren als wertlosen Abfall, und die Schriften sind nur nützlich, um die Wand am unteren Ende zu bedecken.

Dieser Vers betont, dass die bloße Ansammlung von Wissen oder das strikte Befolgen von Regeln leer und bedeutungslos ist, wenn es nicht im Herzen verinnerlicht wird. Regeln und Schriften sind Werkzeuge, aber sie dürfen nicht zum Selbstzweck werden. Der wahre Wert liegt in der Erfahrung und im Verständnis, die durch Praxis und persönliche Einsicht gewonnen werden.

Chanoyu bedeutet lediglich, Wasser zu kochen, Tee zu bereiten und ihn zu trinken. Man sollte verstehen, dass es genau das ist.

Dieser Vers bringt die Essenz des Chanoyu auf den Punkt: Im Kern geht es um Einfachheit. Das Ritual des Tees ist keine komplexe oder geheimnisvolle Handlung, sondern reduziert sich auf das Wesentliche: das Kochen von Wasser, das Zubereiten von Tee und das gemeinsame Trinken.

Quellen

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